Warum Sie Zitate in Ihrer Rede verwenden sollten

Zitate können – richtig eingesetzt – die Wirkung einer Rede stark verbessern. Hier 7 Gründe für den wirkungsvollen Einsatz von Zitaten.
Selten wird einem guter Redner das Talent, seine Zuhörer zu fesseln, zu überzeugen und zu begeistern in die Wiege gelegt. Viel öfter stecken Fleiß und Übung sowie die Beachtung und Anwendung von (Grund-)Regeln der freien Rede dahinter, die bereits in der Antike in Rhetorik-Schulen gelehrt worden sind. Dazu gehören unter anderem die Grundlagen des dramatischen Aufbaus, die Anwendung der Tonmodulation und der passenden Gestik sowie die Verwendung so genannter auflockernder Textelemente, zu denen ganz wesentlich Zitate bekannter Politiker oder Schriftsteller gehören. Warum das so ist? Das wird im Verlauf der weiteren Begebenheit klar (Zitat von Nestroy, Der Zerrissene).

Das soeben verwendete Zitat zeigt anschaulich den ersten Grund, Zitate als rhetorische Elemente in den Redetext einzubauen. Sie machen einerseits neugierig auf das Folgende und tragen andererseits dazu bei, dass die Zuhörer weiter aufmerksam bleiben. Und genau das will ein guter Redner schließlich erreichen: Wenn ihm niemand zuhört, hat die beste Botschaft keine Chance, den Redezweck zu erfüllen und anzukommen.

Des weiteren (2.) dienen Zitate bekannter Schriftsteller oder Politiker dazu, die in der Rede vorgebrachten Argumente zusätzlich zu untermauern und – weil von dritter, prominenter Seite bestätigt – zu objektivieren. In Unterhaltungs- oder Freizeitreden – vom Hochzeitsempfang über die Geburtstagsfeier bis hin zur Laudatio zu einem besonderen Anlass (bestandene Prüfung, Beförderung oder Dienstjubiläum) – übernehmen Zitate die Funktion der „ironischen Brechung“. Der intelligente Witz (das Bonmot) wird von den Zuhörern mit Schmunzeln oder Lachen quittiert und trägt wesentlich dazu bei, die allgemeine Stimmung des Auditoriums aufzulockern. Das ist der dritte und einer der wichtigsten Gründe für den Einsatz von Zitaten.

Hier zwei Beispiele zu meinem Thema Rhetorik und Präsentation:

Martin Luther sagte zu dem Thema folgendes:
„Mach‘s Maul auf, tritt frisch auf, hör bald auf“

Mit der richtigen Betonung und entsprechender Körpersprache vorgetragen, verfehlt dieses Zitat nie seine Wirkung.

Ein zweites Beispiel von Mark Twain:
„Das Problem an der Rhetorik ist, dass man gleichzeitig reden und denken muss“
(Kunstpause, manche schmunzeln jetzt schon, obwohl die eigentliche Pointe erst noch kommt. Und weiter)
„Politiker entscheiden sich meist für eines von beiden.“

Ich habe noch nie erlebt, dass die Zuhörer nicht gelächelt oder gelacht haben.
So wird Humor und Sympathie erzeugt und transportiert, fast nebenbei. Und gleichzeitig können Sie natürlich den Inhalt der Zitate verwenden um Lehrpunkte zu vermitteln.

Viertens bestätigen gut ausgewählte Zitate, dass der Redner gebildet und humorvoll zugleich wirkt. Effekte, die je nach Redeanlass durchaus wichtig sein können. Ein treffendes Zitat, zu Anfang einer Rede gestellt, kann den roten Faden bilden, an dem sich der Redner orientiert. Es wirkt umso nachhaltiger, wenn das Eingangszitat im Verlauf der Rede nochmals ganz oder in Teilen aufgegriffen und interpretiert wird.

Am Schluss dient es dann dazu (5.), zur entscheidenden Pointe zu kommen: Entweder der Redner bekennt sich zur Richtigkeit der Zitat-Aussage oder distanziert sich von Ihr – was jeweils begründet werden sollte.

Zitate können sechstens auch dazu verwendet werden, die Ansichten der Zuhörer zu relativieren, um sie so – aus objektiver Warte – zum Nachdenken zu bringen: Jedes verwendete Zitat muss dem Redeanlass und dem beabsichtigen Wirkungseffekt auf die Zuhörer angepasst werden.

Und schließlich der siebte Grund für den Einsatz: Zitate können schließlich auch tröstend wirken, so dass sie selbst in Trauerreden sinnvoll verwendet werden können. Das zum Ausdruck gebrachte Beileid wird durch das Zitat dezent in einen größeren Zusammenhang gestellt.

Zitate oder „geflügelte Worte“ zu finden, ist in Zeiten des Internets längst kein Problem mehr. Aber auch bei der Anwendung dieses rhetorischen Stilmittels gilt: Weniger ist mehr. Und jeder Redner möge sich davor hüten, Zitate in der Originalsprache vorzubringen, wenn er diese nur unzureichend beherrscht. Wann aufgrund eines Zitates geschmunzelt werden soll, bestimmt der Redner, nicht das Publikum.

Viel Erfolg bei Ihrem nächsten Zitat. Welches Zitat verwenden Sie besonders gerne bzw. bei welchem Zitat ist aus Ihrer Erfahrung heraus die Wirkung garantiert?

Rüdiger Vogel
www.rhetorikkurs.com

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