Spannung bis zum letzten Wort

Stellen Sie sich Ihre letzte anspruchsvolle Wanderung vor: Meist starten Sie voller Vorfreude und ausgeruht. Dann aber braucht es über die ganze Strecke hinweg immer wieder Highlights, interessante Ausblicke, besondere Vegetation, unbekannte Gerüche, eine immer besser werdende Luft, die für klare Gedanken und einen neuen Energieschub sorgt, damit Sie Ihre physische Erschöpfung nicht spüren… Genauso verhält es sich mit Ihrem Vortrag für Ihre Zuhörer, besonders wenn der Vortrag relativ lang ist oder Sie einer von mehreren Rednern sind und womöglich erst an fünfter oder sechster Stelle kommen.

Ihre Rede bedarf daher von Zeit zu Zeit rhetorischer Peaks, Spannungshalter, intellektueller Aha-Erlebnisse.

Zum einen natürlich damit Ihre Rede in der Retrospektive als durchweg lohnenswertes Erlebnis in Erinnerung bleibt, zum anderen aber auch,  weil die menschliche Kognition aus rein eigenem Antrieb zu einer dauerhaften Fokussierung ohne anregende Erlebnismomente schwer in der Lage ist.Oder einfach ausgedrückt: Wir brauchen emotionale Highlights, diese helfen uns das Gesagte besser einzuprägen und gleichzeitig das ganze mit den eigenen Emotionen zu verbinden,

Gleichzeitig ist es allerdings wichtig, dass der Vortrag als leicht, unterhaltsam, charmant wahrgenommen wird und man nicht den Eindruck hat, dass schon der Redner vor lauter Anstrengung mit dem Vortrag völlig überfordert zu sein scheint. Im folgenden finden Sie erprobte Elemente, die Ihre Vortragsdynamik flüssig halten und dabei doch rhetorische Peaks erzeugen – und so in Kombination die Spannung und Aufmerksamkeit über einen ganzen Vortrag zu halten vermögen.

Logik & Argumentation

Je logischer Ihre Argumentationskette aufgebaut ist, desto leichter fällt es der Kognition, ihr zu folgen – und desto bereitwilliger bleiben Ihre Zuhörer aufmerksam in dem Bedürfnis zu wissen, “wie es weitergeht”. Formulieren Sie die kausalen Übergänge von einem Argument zum nächsten daher so klar wie möglich und stellen Sie immer wieder nachvollziehbare Bezüge her und zwar sowohl zum Thema und zum Ziel Ihres Vortrages als auch zu Ihrem Publikum.

Zitate & Aphorismen

Menschen lieben klarsichtige Zitate und clevere Aphorismen. Sie sprechen ihre intellektuelle Kapazität an und werden gerne weiter “vererbt”. Suchen Sie nach unbekannten, 100% stimmigen Zitaten, die den Kern Ihrer Hauptaussagen illuminieren und streuen Sie sie gleichmäßig über den Vortrag. Ein weiterer Vorzug von gut gewählten Zitaten: Viele Zitate enthalten eine gute Dosis Humor, wenn Sie ein solches Zitat richtig anbringen und die Zuhörer zum Lächeln bringen, haben Sie sofort wichtige Symphatie Punkte gewonnen.

Metaphern & Storytelling

Runden Sie einen längeren theoretischen oder abstrakten Teil immer mit einer möglichst bildlichen Metapher oder kurzen Geschichte ab. Das doppelt die Aussage auf einer emotionalen Ebene und holt Ihre Zuhörer in die “wirkliche Welt” zurück. Dies ist übrigens der Teil der am häufigsten fehlt, gleichzeitig aber einer der wichtigsten ist. Nur wenn Sie bei Ihren Zuhörern Emotionen auslösen, wird es Ihnen gelingen, sie zu überzeugen. Und Emotionen lösen Sie nicht mit Sachargumenten sondern mut gut dazu passenden Bildern oder Geschichten aus. Nebenbei hilft eine gute Geschichte auch, das wesentliche auf leichte Art zu vermitteln und sich den Lehrpunkt noch lange erinnern zu können.

Anfang & Ende

Achten Sie darauf, Ihre ersten und letzten Worte so ausdrucksstark, bewegend und mitreißend wie möglich zu gestalten. Keine Angst vor etwas Pathos! Die Spannung Ihres ganzen Vortrages wird anhand der Denkwürdigkeit seines Beginns und Ausklangs beurteilt. sie hierzu auch: http://rhetorikblog.net/allgemein/ein-starker-schluss/ und http://rhetorikblog.net/allgemein/die-perfekte-einleitung/

Humor, Humor, Humor

Es gibt kein Vortragsthema, das nicht Platz für ein Quentchen Humor hätte. Lachen hat ausgezeichnete physische Qualitäten: Es weckt auf, erhöht Sauerstoffzufuhr und Konzentrationsbereitschaft und verbindet Sie emotional mit Ihrem Publikum.

Stimme & Intonation

Variieren Sie Ihren Ausdruck und Ihre Lautstärke. Nichts auf der Welt wirkt so einschläfernd wie eine monoton vortragende Stimme.

Bewegung & Ansprache

Bleiben Sie nicht an einer Stelle stehen. Bewegen Sie sich, benutzen Sie Ihren Körper, um den Raum zu füllen, gehen Sie auf Ihr Publikum zu, wenn Sie es direkt ansprechen (aber drehen Sie ihm niemals de Rücken zu). Stellen Sie Fragen an Ihre Zuhörer und fordern Sie sie zu kurzen Selbstexperimenten auf.

Welche Erfahrung haben Sie mit dem Thema “Spannung” gemacht? Welche wirksamen Mittel verwenden Sie? Lassen Sie uns teilhaben an Ihrer Erfahrung.

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