Rhetorische Fragen

Jeder Redner möchte seine Zuhörer fesseln und dem Gesagten Nachdruck verleihen. Doch fundierte Kenntnisse über ein bestimmtes Fachgebiet und eine gute Vorbereitung reichen alleine nicht aus. Ob eine Rede beim Zuhörer ankommt und die gewünschte Wirkung erzielt, hängt hauptsächlich vom Redner selbst ab. Ein wirkungsvolles Hilfsmittel, das er dabei einsetzen kann, sind rhetorische Fragen.

Was ist eine rhetorische Frage?

Die häufigste Definition dazu lautet: Eine rhetorische Frage verlangt in der Regel keine Antwort von den Zuhörern oder vom Gesprächspartner. Sie ist ein sprachliches Stilmittel und dient nicht dem Erhalt von Informationen, da sie keine gewöhnliche Frage, sondern vielmehr Behauptung als Frage ist. Sie wird eingesetzt, um eine Aussage zu bekräftigen oder die eigene Meinung auszudrücken. Sie soll den Zuhörern auf geschickte Art und Weise ein bestimmtes Gefühl vermitteln, um sie in die gewünschte Richtung zu lenken. Allerdings setzen professionelle Redner rhetorische Fragen auf eine weitere Art ein: Sie versuchen damit, das Publikum zu „führen“. Eine geschickt eingesetzte rhetorische Frage zeigt dem Redner, wie aufmerksam das Publikum ihm folgt und erlaubt dem Redner die Wirkung zu kontrollieren. Wie? Indem er Fragen verwendete auf die er eben doch eine Antwort erwartet, aber keine laute, gesprochene Antwort, sondern eine körpersprachliche Reaktion der Zuhörer, im einfachsten Fall also beispielsweise ein Nicken oder Kopfschütteln.

Wie rhetorische Fragen richtig eingesetzt werden

Während eines Vortrages lockern rhetorische Fragen das Gesagte auf und verleihen diesem mehr Gewicht. Sie halten das Interesse der Zuhörer wach und regen diese zum Nachdenken an. Mit gezielt eingesetzten rhetorischen Fragen werden aus passiven Zuhörern zudem aktive Teilnehmer. Oft werden in diesem Zusammenhang rhetorische Fragen wie “Und wer würde das nicht gerne tun?” oder “Will das nicht jeder von uns erreichen?” gebraucht.

Damit ein Redner seinem Publikum seinen Standpunkt vermitteln kann, muss er von seinen Zuhörern auch als glaubwürdig angesehen werden. Das erreicht er am besten dadurch, indem er aufzeigt, dass er die gleichen Ansichten hat und Gemeinsamkeiten betont. Dies kann ebenfalls durch rhetorische Fragen erreicht werden. Wenn es zum Beispiel darum geht, ob sich eine bestimmte Arbeitsmethode lohnt, kann der Redner fragen: “Dadurch können Sie Ihren hektischen Alltag entlasten. Und mehr Freizeit hätten wir doch alle gern, nicht wahr?” Es wird keinen Zuhörer geben, der dieser Aussage nicht zustimmt. Zudem spricht der Redner von sich und seinen Zuhörern als “wir”, also einer Gruppe, der er auch angehört.

Mit rhetorischen Fragen kann es ein Redner auch erreichen, die Zuhörer auf seine Seite zu ziehen, indem er ganz geschickt deren Gefühle anspricht. Menschen reagieren nämlich zuallererst auf Gefühle und treffen Entscheidungen hauptsächlich aus emotionalen Gründen. Wenn ein Redner ein Thema anspricht, das seinen Zuhörern nahe steht und dann fragt: “Und welchem Ihrer Kinder würde das nicht gefallen?” kann er sich der Zustimmung aller Eltern sicher sein.

Der Schlüssel zum Einsatz von rhetorischen Fragen besteht darin, sie nur ganz gezielt und sparsam einzusetzen. Werden zu viele dieser Fragen gestellt, kann ein negativer Effekt eintreten und sie wirken nichtssagend. Richtig eingesetzt können rhetorische Fragen aber ein kraftvolles Hilfsmittel sein, um eine herausragende und eindrucksvolle Rede zu halten.

Welche Erfahrung haben Sie mit der Verwendung von rhetorischen Fragen gemacht?

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