Redner der Antike – Hortensius

Reden zu einer Kunstform zu erklären ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits die Redner der Antike bildeten ein rhetorisches Fundament auf dem auch moderne Redner bis zum heutigen Tag ihre individuelle Redekunst aufbauen. Eine lebendige Verbindung zwischen Worten und deren zeitlosem Charakter zu erschaffen gelang besonders Quintus Hortensius Hortalus. Zu Zeiten des römischen Imperiums umgab sich der Redner mit einer Ausstrahlung, die bis heute als Quelle der Inspiration gilt.

Redner der Antike – Hortensius als Mitbegründer des asianischen Redestils

In einer Zeit ohne Mikrofone, professionellem Training oder vorgefertigten Reden gelang es Hortensius Hortalus bereits seine Zuhörer in den Bann zu ziehen. Zu verdanken war dies nicht dem Inhalt seiner Reden allein. Vielmehr prägte der vor mehr als 2000 Jahren lebende Redner der Antike sich seinen ganz eigenen sprachlichen Ausdruck zunutze. Anstatt sich ausschließlich auf die Fakten und deren präzise Formulierung zu konzentrieren, band Hortensius diese Fakten in ein kunstvolles Gebilde ein, welches ein Vorbild für heutige Reden bildete. Das dahinter stehende Konzept wird Asianismus genannt. Bei diesem rhetorischen Stil wird die Rede wie ein Schauspiel inszeniert. Worte werden eingerahmt in Emotionen und Bilder, welche die Zuhörer wie von selbst veranlasst dem Redner ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Hortensius ergänzte diesen antiken Stil zusätzlich um eine sehr melodiöse Stimmlage. Geübt in der Dichtkunst nutzte er die Rede nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern ebenfalls als eine Bühne. Je mehr die Zuhörer von den Worten in den Bann gezogen wurden, stieg auch die Chance andere Rede zu überstrahlen und im Gedächtnis der Zuhörer in den Hintergrund treten zu lassen.

Redner der Antike – was Hortenius Stil bis heute zu einem rhetorischen Vorbild macht

Unvergessen bleibt Hortensius Hortalus bis in das 21. Jahrhundert aufgrund seines Gedächtnisses. Dokumentiert von Zeitzeugen zeichnete sich der rhetorische Stil des Redners auch durch die Tatsache aus, ohne Notizen die Formulierungen seiner Diskussionspartner wiederzugeben. Während seiner Berufung zum Gerichtsredner gelang es dem berühmten Redner der Antike so immer wieder, mit sprachlichen Mitteln Schwächen in der gegnerischen Argumentation aufzudecken und seine eigene Position zu stärken. Diese Fähigkeiten erweist sich heute als eine der wichtigsten Grundlage für eine konstruktive Atmosphäre, in welcher die unterschiedlichen Positionen nicht verhärten und sich wie Mauern gegenüberstehen. Den Fokus nicht nur auf die eigene Wortwahl, sondern ebenfalls die eines Diskussionspartners zu legen wird somit zu einer Visitenkarte für den individuellen Ausdruck. Abweichende Positionen in der eigenen Rede zu berücksichtigen zeugt von Kreativität, da dies bedeutet über die im Kopf oder auf Zetteln bereits vorhandene Rede hinauszudenken.

Zeitgleich wird auch den Zuhörern eine erhöhte Aufmerksamkeit abverlangt. Einzelne Positionen stehen somit nicht mehr in ihrer Gesamtheit zur Diskussion, sondern ermöglichen es, Passagen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Unabhängig, ob ablehnend oder zustimmend, entsteht eine Komplexität, die auch die Zuhörer mit einbezieht. Das Schwarz und Weiß vieler Diskussionen verwandelt sich Stück für Stück in zahlreiche neue Schattierungen. Dieses breitere Spektrum gewährt einen Zugang zu den getätigten Aussagen, welcher Respekt zeigt, ohne seinen eigenen Überzeugungen untreu zu werden.

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