Profi Strategien gegen Lampenfieber

Die Rede vor der gesamten Belegschaft. Mitreißend soll sie werden, befeuernd und motivierend. Aber kurz zuvor sind da nur noch Händezittern, schwammige Knie, und eine Stimme, die gerade alles andere als mitreißend tönt. Und wahre Bäche von Schweiß, die über den Rücken laufen. Lampenfieber.

Lampenfieber ist sehr verbreitet – und das nicht nur bei Amateuren. Auch Profis haben vor manchen besonders wichtigen Auftritten manchmal mit Redeangst oder Nervosität zu kämpfen. Allerdings wissen sie damit umzugehen – und halten ihre Nervosität gekonnt in Schach. Dafür gibt es einige bewährte Strategien, die auch jeder Rede-Amateur bei akutem Lampenfieber oder bei Redeangst anwenden kann. Man findet schnell heraus, was bei einem selbst am besten wirkt – und ist in Zukunft damit jeder Attacke von Lampenfieber, Nervosität und Redeangst souverän gewachsen.

Strategie eins:  Akzeptieren.

Nervosität und Lampenfieber – und auch Redeangst – sind bis zu einem gewissen Grad normal vor Reden, wo es für uns um etwas Wichtiges geht. Also nicht dagegen anzukämpfen versuchen, sondern sie einfach gelassen hinnehmen, akzeptieren das man nervös ist. Gefühle und Ängste, und auch Nervosität, die man einfach akzeptiert, lösen sich oft im selben Moment von selbst auf. Das klingt erst einmal widersinnig – funktioniert aber so gut wie immer bei fast allen Erregungszuständen und bei Nervosität.

Strategie zwei: Atmen.

Ja, genau. Atmen. Bemerken Sie, dass Sie gerade Atmen? Dass sich Ihr Bauch hebt und senkt? Achten Sie für ein paar Atemzüge lang nur auf diese Bewegung, und auf nichts anderes. Nur darauf, wie sich Ihr Bauch hebt und senkt. Das bringt Sie wieder in Ihre Mitte und ihre Füße zurück auf den Boden. Versuchen Sie es. Lampenfieber, Redeangst und Nervosität werden sich schnell auflösen.

Strategie drei: Der blaue Himmel.

Das Wort Angst kommt vom lateinischen “angustus” – was soviel wie “Enge” bedeutet. Genauso fühlt sich Angst auch in unserem Körper an. Das passende Gegengewicht zur Enge stellt die Weite dar. Weit und offen, endlos, wie ein blauer Himmel mit ein paar leichten Wolken darin. Sprechen Sie nicht zu den Menschen, sondern lassen Sie ihre Worte in diesen endlos weiten, wunderschönen blauen Himmel hineinklingen. Die Weite vor ihren Augen wird die Enge in Ihnen restlos auflösen. Und selbst wenn Sie nicht unter Redeangst leiden, wird diese Strategie Ihre Reden immer enorm inspirierend und beflügelnd machen. Tell it to the blue sky, sozusagen.

Strategie vier: Bewusste Konzentration.

Angst, vor allem Redeangst, zerfasert unsere Konzentration in ganz feine Fäden – bis wir in dem Gewirr endgültig untergehen. Tun Sie also genau das Gegenteil: konzentrieren Sie sich auf jeden einzelnen Satz, auf die Übergänge und die Zusammenhänge Ihrer Rede. Je detaillierter, desto besser. Wer konzentriert denkt, kann nicht gleichzeitig Angst haben. Das schließt sich nämlich gegenseitig aus.

Strategie fünf: Hängen Sie nicht am (eingebildeten) Ergebnis.

Wir neigen immer dazu, uns das Ergebnis unserer Handlungen auszumalen, noch bevor wir sie überhaupt begonnen haben. Und diese Ergebnisse sind entweder höllenschwarz und rußgeschwärzt, oder engelhaft-glänzend. Dazwischen gibt unsere Vorstellung nicht viel her. Diese Erwartungshaltungen blockieren uns aber beim tatsächlichen Tun. Stellen Sie die Erwartung bewusst auf die Seite – und halten Sie einfach Ihre Rede. Jetzt. Sie können gar nichts beeinflussen – sie können nur etwas tun oder nicht tun. Ihre Rede halten, oder sie nicht halten. Alles andere liegt gar nicht in Ihrer Macht. Machen Sie sich das klar. Jetzt halten Sie Ihre Rede. Und danach sehen Sie, was kommt. Diese Strategie hilft übrigens nicht nur gegen Redenangst und Lampenfieber, sondern auch gegen jede andere Form von Nervosität.

Strategie sechs: Stoppen Sie ihren Gedankenstrom.

Wenn Ihr Verstand beginnt, Amok zu laufen, und immer mehr und immer schlimmere Bilder produziert, gibt Ihr Körper dann irgendwann einmal völlig überfordert in den Knien nach. Das können Sie dann spüren – als Redeangst, als Nervosität, oder als Lampenfieber. Es sind aber tatsächlich nur die körperlichen Auswirkungen, die sekundären Symptome. Der primäre Grund ist Ihr gerade Amok laufender Verstand. Stoppen Sie ihn. Hören Sie auf zu denken. Das geht so einfach, wie wenn Sie aufhören zu reden. Es wird einfach still. Versuchen Sie das einmal. Keine Gedanken mehr ab – jetzt. Keine Gedanken – keine Nervosität mehr, und auch kein Lampenfieber und keine Redeangst.

Strategie sieben: Stellen Sie sich auf den Boden.

Ja, Sie haben richtig gehört. Stellen Sie Ihre Füsse einfach fest auf den Boden. Spüren Sie, wie die Schwerkraft Ihren Körper nach unten zieht, spüren Sie Ihr Becken, Ihre Beine, und ihre Fußsohlen, wie sie am Boden stehen. Dann kommen Sie aus Ihrem “Kopf heraus” und sind wieder in ihrem Körper. Angst ist immer nur eine Illusion, Bilder, die der Verstand erzeugt. Wenn Sie spürbar mit den Füßen auf dem Boden stehen, verschwindet gleichzeitig das Illusionäre Gewirbel in Ihrem Kopf. Üben Sie das bei Gelegenheit öfters, und Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass wir sehr oft dazu neigen, uns in unseren Gedanken zu verrennen. Nicht nur wenn wir Redeangst oder Lampenfieber haben. Auch bei vielen anderen Gelegenheiten.

Die Profi-Strategien:

Legen Sie die Spitzen von Daumen, Zeigefinger und Ringfinger aneinander. Sehen Sie auf die nächste glatte Wand und stellen Sie sich ein großes, altmodisches Wagenrad vor. Mitten in der Radnabe befindet sich ein schwarzes Quadrat, darin ein leuchtend gelber Punkt. Konzentrieren Sie sich allein auf diesen gelben Punkt. Wenn Sie dort sitzen, sitzen Sie sicher. Das Leben dreht sich wie das Wagenrad um Sie herum. Können Sie das spüren? Halten Sie sich nicht an den Speichen fest – setzen Sie sich in die Mitte. Und bleiben Sie dort. Fühlen Sie, wie alles sich ausgewogen um Sie herum dreht. Aber Sie sitzen sicher. Diese Technik ist übrigens schon gut zweitausend Jahre alt. Und sehr wirksam.

Setzen Sie sich auf einen Stuhl, und reiben Sie fest die Außenseite Ihrer Schienbeine, etwa eine Handbreit unter Ihrem Knie. Dann konzentrieren Sie sich beim Einatmen auf Ihre linke Schulter und beim Ausatmen auf Ihre rechte Schulter. Nach einigen Atemzügen werden Sie das Gefühl haben, dass Ihr Atem bei einer Schulter hinein und bei der anderen hinaus fließt. Dieses Gefühl soll auch so sein – und gleichzeitig bildet Ihr Atem ein immer größeres Feld um Sie. Lassen Sie in Ihren Gedanken dieses Feld sich so weit ausdehnen, dass es alle Menschen im Saal mit einschließt. Atmen Sie einfach weiter und behalten Sie dieses Gefühl. Sie werden erstaunt sein, welche Wirkung Ihre Rede entfaltet.

Beide Techniken sind überaus wirksam – man sollte Sie zuvor allerdings ein paar Mal “im Trockenen” üben, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie wirken. Dann helfen Sie Ihnen aber, jede Attacke von Redeangst, Nervosität oder Lampenfieber verlässlich in den Griff zu bekommen.

 

Haben Sie eine oder mehrere der Techniken oder Strategien schon einmal ausprobiert? Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht?  Haben Sie eigene Strategien oder Vorgehensweisen die gut funktionieren?

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