Logos – Ethos – Pathos

Ein Vortrag, eine Rede oder ein Aufsatz basiert auf Argumenten, mit denen der Redner oder der Autor überzeugen will. Der Zuhörer oder die Leser sollen verstehen und begreifen, auf welchem Standpunkt er steht. Gekonnte Rhetorik in wörtlicher oder schriftlicher Form ist die Voraussetzung, damit die Argumente das Publikum oder die Leserschaft erreichen.

Einfache Grundregeln

Es gibt einige Grundregeln, die ein guter Redner beherzigen sollte. Auf einen einfachen Nenner gebracht, lauten diese: Drück dich verständlich aus und achte darauf, dass man dich verstehen kann. Bleib logisch und prüfe, ob deine Argumentation sinnvoll ist. Stell deine Punkte realistisch dar. Konkrete Beispiele sind stärker als abstrakte oder verallgemeinernde Thesen.

Die Regeln des Aristoteles

Es war der griechische Philosoph Aristoteles, der die berühmten drei Kategorien für die Rhetorik entwickelte. Er war ein Schüler Platons, des wohl bedeutendsten Denkers der Antike. Die Unterteilung in Ethos, Pathos und Logos hat sich über Jahrhunderte bewährt und gilt bis heute als eine der besten Leitlinien, nach denen gelungene Reden konzipiert werden. Was bedeutet das, und wie kann das heute, modernen Rednern helfen? Ein Beispiel zur Anwendung finden Sie hier: Logos – Ethos – Pathos am Beispiel von Martin Luther King.

Ethos – Gesinnung

Ethos steht für Glaubwürdigkeit und gründet auf der Annahme, dass ein Argument auch unter ethischen Gesichtspunkten Anklang findet. Das bedeutet, die Person, die ihre Argumentation zu einem bestimmten Thema liefert, muss vertrauenswürdig sein. Außerdem sollte sie als Fachmann oder Fachfrau respektiert werden, der die Kompetenz zugetraut wird, sich zu dem Kernpunkt eines Streitgesprächs oder einer Diskussion zu äußern. Der Redner soll seine Zuhörer durch Autorität und Integrität beeindrucken.

Ethos wird bei den Griechen als Charakter definiert. Dieser vermittelt sich durch die Art und Weise, den Redestil, die Stimmlage und den Grundton, mit denen ein Autor oder Redner seine vielfältigen Ansichten und Erkenntnisse darlegt. Ethos kann auch unabhängig von der eigentlichen Botschaft durch die bloße Reputation des Argumentierenden unterstützt werden.

Pathos – Überzeugung

Pathos steht im Zusammenhang mit Gefühl – mit Emotionen, die an die Sympathie und das Vorstellungsvermögen des Publikums appellieren. Einer der üblichen Wege besteht darin, eine bestimmte Vorstellung zu erwecken oder Assoziationen auszulösen, indem der Redner eine Geschichte einflicht. Diese sollte eine abstrakte Lektion oder Bedeutung so transportieren, dass diese konkret erlebbar und nachvollziehbar wird. Die Werte, die Überzeugungen und das Verständnis des Redners werden durch die Geschichte angedeutet und übermittelt.

Unter Pathos verstehen die Griechen Leiden und Erfahrung. Der Begriff bezieht sich auf die gefühlsmäßige und die Fantasie anregende Wirkung einer Botschaft auf das Publikum. Mit dieser Botschaft ist der Argumentierende in der Lage, sein Publikum zu einer Entscheidung oder zum Handeln zu bewegen.

Logos – Vernunft

Logos ist das Wort für jede Bestrebung, den Intellekt anzusprechen und zugleich die allgemeine Bezeichnung für ein sogenanntes logisches Argument. Akademische Argumentationen beruhen auf Logos. Um alle Standpunkte überzeugend zu unterstützen, müssen logische Verbindungen der Schlussfolgerungen erkennbar sein.

Logos ist das griechische Wort für Logik. Diese überzeugt durch Beweisführung und bezieht deduktive und induktive Schlussfolgerungen mit ein. Begründungen für eine Meinungsäußerung mitzuliefern, ist die Schlüsselmethode der Argumentation.

Der Philosoph Aristoteles war ein Verfechter von Logos und bevorzugte diese Argumentationstechnik. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, dass die Argumente, die im Alltag ausgetauscht werden, stark auf Ethos und Pathos beruhen. Das lässt sich jeden Tag erleben. Logischen Argumenten gegenüber sind viele Menschen nicht zugänglich, sie lassen sich eher von Intuition oder Vorurteilen leiten.

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