Logos, Ethos, Pathos – die 3 wichtigsten Begriffe der Rhetorik.

Logos, Ethos, Pathos, diese griechische Rhetorik Regel ist noch heute eine der wichtigsten Regeln um Zuhörer und Publikum überzeugen zu können.

Die drei wichtigsten Begriffe, die auch heutige Redner beeinflussen, sind Logos, Ethos und Pathos. Sie stammen aus dem griechischen und stehen für eine elementare Grundregel in der angewandten Rhetorik. Diese drei Begriffe gelten als Basiselemente und sind somit unverzichtbar wenn es darum geht, überzeugend zu argumentieren und die Zuhörer zu begeistern. Dabei kann diese Regel sowohl bei Reden und Gesprächen, aber auch in schriftlicher Form angewendet werden.

Ziel ist es in jedem Fall, den Zuhörer mit den Grundpfeilern der Rhetorik zu fesseln, durch gute Argumente zu überzeugen und durch die Verbindung von Logos und Pathos emotional zu berühren. Ideal ist es, ein Argument so gut mit emotionalen Triggern zu verbinden – zum Beispiel Bilder, Vergleiche, Metaphern, Geschichten etc., alles was starke Emotionen auslöst – dass der Zuhörer immer wenn er an das Argument denkt auch automatisch die gewünschten Emotionen erlebt. Wie lässt sich dies erreichen? Ohne Zweifel ist es nötig, eine Sprache zu verwenden, die der Zuhörer leicht und intuitiv erfassen kann, das bedeutet konkrete Aussagen, leicht verständliche, kurze Sätze, keine Fremdwörter oder unnötige Fachausdrücke.

Wenn es nun gelingt, in dieser Form seine Argumente darzulegen hat man schon den halben Weg zum Ziel geschafft. Dabei ist es unerheblich, um welchen Inhalt es sich handelt. Viele Redner glauben, da ihr Inhalt von so hoher Bedeutung ist, muss auch die Art der Darlegung anspruchsvoll, hochwertig – oder anders ausgedrückt – schwer verständlich sein. Doch dies ist genau der falsche Weg. Die Kunst besteht ja nun gerade darin, komplizierte Sachverhalte einfach darzulegen. Das war die Pflicht, nun folgt die Kür – damit ist gemeint die Anwendung des Pathos. Hier tun sich sehr viele Redner schwer, weil sie sich fast ausschließlich auf ihre Argumente – Logos – konzentrieren und ganz vergessen, dass eine Überzeugung in der Regel nur stattfinden kann, wenn der Zuhörer auch emotional beteiligt ist. Weitere Details und Beispiele später im Text. Was ist der Ursprung dieser Regel?

Aristoteles und die Grundregeln der Rhetorik

Bereits der griechische Philosoph Aristoteles, ein Vertreter der klassischen Rhetorik hat diese Grundregel entwickelt und Anwendung für eine gelungene Rede bewiesen, so dass Logos, Ethos, Pathos bis heute allgemeine Gültigkeit besitzt. Aristoteles bezeichnet die Rhetorik als das Gegenteil der Dialektik. In ersterer erkennt er die Fähigkeit angepasst an die jeweilige Situation überzeugend auftreten zu können. Daher strukturierte er sie in die drei berühmten Regeln, Logos, Ethos und Pathos. Die Unterteilung in Ethos, Pathos und Logos hat sich über Jahrhunderte bewährt und gilt bis heute als eine der besten Leitlinien, nach denen gelungene Reden konzipiert werden.

Die Logik und die Emotionalität

Logos bezeichnet die Methode, den Intellekt anzusprechen und ist zugleich die allgemeine Bezeichnung für ein sog. Logisches Argument. Akademische Argumentationen beruhen auf Logos. Aristoteles erhob Logos zum wichtigsten Bestandteil (heute ist es eher Pathos) einer Rede. Logos steht hierbei für das Argument und somit den logischen Bestandteil in der Rhetorik. Vor allem die Logik soll es nach Aristoteles sein, die den menschlichen Verstand anspricht und mit unwiderruflichen Dingen zu überzeugen weiß. Aristoteles Regel von Logos erhält vor allem in wissenschaftlichen Texten einen hohen Stellenwert. Hier muss nicht mit Überzeugung oder gar Emotionalität, sondern mit Fakten gepunktet werden. Aristoteles ging mit Logos der Frage nach, warum sich Meinungen ändern und wodurch sich Argumente festigen lassen.

Logos liefert innerhalb eines Textes oder einer Rede dem Zuhörer deshalb gleichzeitig eine Erklärung für die Argumentation. Diese Erklärung soll für das Verständnis sorgen. Logos sollte somit zum wichtigsten Bestandteil der Rhetorik zählen. Auch später, bei den großen römischen Rednern – allen voran Cicero, der berühmteste Redner Roms – galt Logos als der wichtigste Bestandteil einer Rede, vor allem deshalb weil Cicero als Anwalt und Politiker die meisten seiner Reden vor Gericht und vor dem Senat hielt.

In der Realität unterscheiden sich heutige rhetorische Ansprachen oder Schriftstücke jedoch abseits der Wissenschaft von diesem Modell. Logische Argumente sind nach wie vor wichtiger Bestandteil einer gelungenen Rede, alleine Logik führt aber zu keiner Überzeugung, und schon gar nicht zu Begeisterung. Dazu benötigt es mehr. Besonders die heutige Welt der Medien präsentiert uns auf wirkungsvolle Weise täglich, wie leicht für uns stattdessen die Emotionalität über unserer Vernunft steht.

Diese Erfahrung lehrt uns, dass die Argumente, die im Alltag ausgetauscht werden, stark auf Ethos und Pathos beruhen. Das lässt sich jeden Tag erleben. Logischen Argumenten gegenüber sind viele Menschen nicht zugänglich, sie lassen sich eher von Intuition oder Vorurteilen leiten. Deshalb benötigen Ansprachen, Texte oder Reden, die den Menschen ansprechen sollen und vor allem auch auf der emotionalen Ebene erreichen sollen, noch zwei weitere Elemente der Rhetorik.

Der Charakter des Redners

Pathos bezeichnet laut Aristoteles die Überzeugung und spricht damit genau, wie es die Werbung in der heutigen Zeit oftmals schafft, den emotionalen Zustand des Zuhörers an. Pathos findet sich in vielen Reden, die mit Beispielen verknüpft werden und dadurch den Zuhörer noch stärker und noch emotionaler an sich binden. Eine Versinnbildlichung von Ereignissen führt beim Zuhörer dazu, Argumenten leichter zu folgen, diese schneller zu verstehen und womöglich auch länger zu behalten. Und nicht zu unterschätzen – Pathos schafft die stabile, nachhaltige, emotionale Verbindung zu einem Thema, einem Argument, das sich tief einprägt, im besten Fall im Unterbewusstsein Ihrer Zuhörer.

Unter Pathos verstehen die Griechen Leiden und Erfahrung. Der Begriff bezieht sich auf die gefühlsmäßige und die Fantasie anregende Wirkung einer Botschaft auf das Publikum. Mit dieser Botschaft ist der Argumentierende in der Lage, sein Publikum zu einer Entscheidung oder zum Handeln zu bewegen. Pathos spricht die Zuhörerschaft an und kann diese sowohl positiv als auch negativ, emotional verführen. Pathos als Element der Rhetorik, kann richtig eingesetzt zu durchschlagender Wirkung in jeder Rede führen.

Damit Pathos allerdings eingeführt werden kann, muss dem Publikum zunächst das Ethos näher gebracht werden. Hier geht es um nichts anderes, als das Vertrauen der Zuhörerschaft durch Kompetenz zu erlangen. Der Charakter des Redners steht hierbei für die gesamte Autorität der Rede. Rhetorisch gesehen sollte durch die Beachtung des Ethos jedes Argument auf festem Fundament stehen. Ein angehender Arzt, der auf einem Medizin-Kongress in Badehose und mit Schwimmflügel über die neueste Organ-Transplantationstechnik erzählt, verliert genauso seine Glaubwürdigkeit, also das Ethos, wie ein Manager, der stotternd oder unsicher, unzusammenhängende Fakten miteinander vermischt.

Ethos wird bei den Griechen als Charakter definiert. Dieser vermittelt sich durch die Art und Weise, den Redestil, die Stimmlage und den Grundton, mit denen ein Autor oder Redner seine vielfältigen Ansichten und Erkenntnisse darlegt. Ethos kann auch unabhängig von der eigentlichen Botschaft durch die bloße Reputation des Argumentierenden unterstützt werden.

So funktionieren Logos, Ethos und Pathos

Als Bindeglied fungierend, ist Pathos ohne Ethos fast undenkbar. Auf der anderen Seite lassen sich die anderen beiden Rhetorik Regeln, Pathos und Logos, wunderbar miteinander mischen. Vor allem bei Statistiken oder wissenschaftlichen Abhandlungen funktioniert Logos des Öfteren nicht als einziger Bezugspunkt für die Aufmerksamkeit oder das Verständnis des Publikums. Um komplizierte Verläufe, Zahlen oder Statistiken anhand von Beispielen zu veranschaulichen, lässt sich durch Pathos ein Zustand des leichten Verständnisses erreichen. Der Vortrag wird dadurch für das Publikum greifbarer. Eine Rede, die hingegen hauptsächlich von Pathos getragen wird, lässt sich durch rhetorische Kniffe des Logos verständlich und glaubwürdig in Argumenten untermauern. Einmal verinnerlicht, gehören Logos, Ethos und Pathos damit untrennbar zu jeder guten Rede.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer nächsten Rede. Versuchen Sie doch einfach mal, die o.g. Punkte umzusetzen. Eine gute Idee ist es, zu jedem Hauptpunkt Logos und Pathos einzubauen, und dies vor dem Halten der Rede auch zu überprüfen. Ganz sicher wird sich die Wirkung Ihrer Rede dadurch deutlich steigern.

Viel Erfolg
Rüdiger Vogel
Ihr Rhetoriktrainer und Vortragscoach

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