Gestik und Mimik im Business

Gestik und Mimik als Teil der Körpersprache haben viel mehr Wirkung als uns vielleicht bewusst oder lieb ist. Worauf gilt es dabei zu achten?
„Ein Blick sagt mehr, als 1.000 Worte.“ Diese alte Weisheit mag zunächst zwar ein wenig abgedroschen und verstaubt anmuten, aber in ihr steckt doch ein wahrer Kern. Schon mit einem kurzen Augenaufschlag, einem leichten, wenn auch nur unbedachten Anheben einer Augenbraue oder mit einer winzigen Berührung der Nase kann man sich bereits einige Trümpfe sichern – oder aber auf ganzer Linie verlieren…

Die Kunst der Körpersprache

Gestik und Mimik sind gerade auch im beruflichen Alltag oder bei der Suche nach einem neuen Job von zentraler Bedeutung. Wenn man bedenkt, wie häufig Jobsuchende ihre Bewerbungen von erfahrenen Profis erstellen lassen, ohne dass diese dabei wirklich genau um die Soft Skills oder um die wesentlichen Charakterzüge ihrer Auftraggeber wissen, dann wird eines klar: Papier ist ganz offensichtlich sehr geduldig. Fakt ist, dass sich gerade in einer sehr gut gemachten Bewerbung all die Vorzüge und positiven Eigenschaften integrieren lassen, die jeweils mit Blick auf den angestrebten Job gewünscht sind. Egal, ob diese tatsächlich vorhanden sind oder nicht. Nach dem sorgfältigen Durchlesen einer eingegangenen Bewerbung entsteht vor dem geistigen Auge erfahrener Personalchefs in der Regel ein Bild vom Jobinteressenten, das sich erst in einem Vorstellungsgespräch bestätigen wird. Zumindest wenn es gut läuft. Entsprechen Gestik und Mimik bzw. die Körpersprache des eingeladenen Bewerbers aber nicht in vollem Umfang den Angaben und Schilderungen in den Unterlagen, kann dies unter Umständen unangenehme Folgen haben.

Gewusst wie…

Körpersprache, Gestik und Mimik sollten folglich zu den Informationen passen, die aus der Bewerbung ersichtlich sind. Wer sich zum Beispiel als selbstbewusste Führungskraft bewirbt, sollte möglichst nicht mit übereinander geschlagenen Beinen und verschränkten Armen vor dem Personaler sitzen und sich noch dazu jedes Wort mühsam aus der Nase ziehen lassen. Vielmehr sind eine offene Körpersprache und eine freundliche, zugleich selbstbewusste Gestik und Mimik eindeutige Indizien dafür, dass es der Sachbearbeiter der Personalabteilung tatsächlich mit der Person zu tun hat, von der in den Bewerbungsunterlagen die Rede ist. Dies steigert die Chancen auf den angestrebten Job ungemein. Authentizität und Selbstbewusstsein kommen immer gut an!

Reden ohne Worte – Kommunikation ist alles

Nur wenigen Menschen ist bewusst, dass die gesamte Kommunikation, die in Ihrer Gesamtheit als Wirkung bei unserem Gesprächspartner ankommt aus dem verbalen Teil, man könnte auch sagen dem Inhalt, weiterhin der Stimme und Sprache derer wir uns bedienen um den Inhalt zum Ausdruck zu bringen sowie zum dritten dem sog. Nonverbalen Teil, auch als Körpersprache bekannt zu der als wesentlicher Teil auch Gestik und Mimik gehören, besteht. Interessant und bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Inhalt in Bezug auf die gesamte Wirkung eher eine untergeordnete Rolle spielt, die Körpersprache allerdings insbesondere die Gestik und Mimik den Hauptanteil der Wirkung erzielt.

Wenn es einer Person nicht gut geht, wenn sie zum Beispiel Trauer verspürt, weil ein für sie wertvoller Mensch verstorben ist, dann macht sich dieses Gefühl der Traurigkeit für den aufmerksamen Personalentscheider selbst dann bemerkbar, wenn sich der Bewerber noch so sehr bemüht, tough und selbstbewusst zu wirken. Natürlich gibt es durchaus einige Menschen, die in der Lage sind, negative Emotionen unter bestimmten Voraussetzungen auszublenden, sodass diese nicht einmal ansatzweise für Dritte erkennbar sind. In der Mehrzahl verhält es sich jedoch so, dass Emotionen – insbesondere Trauer, Angst, Verlegenheit, Glück oder Freude – stets auch dann „hervor blitzen“, wenn sich die betreffende Person anstrengt, diese Gefühle zu unterdrücken: Ein untrügliches Zeichen von Verlegenheit ist es überdies, sich mit der Hand an der Nase oder an der Schläfe zu berühren. Auch wer sich des Öfteren den Pony aus der Stirn streicht oder mit dem Zeigefinger immer wieder eine Haarsträhne berührt, signalisiert Verlegenheit. Keine guten Voraussetzungen für jemanden, der sich für den Job in einer Führungsposition interessiert.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht…

Erfahrene Personaler wissen sehr gut, die Körpersprache eines Menschen zu deuten. Winzige Veränderungen von Gestik und Mimik geben dabei wichtige Entscheidungshilfen für oder gegen einen Bewerber. Die Tatsache, dass eine schriftliche Bewerbung mitunter die eine oder andere Übertreibung enthalten kann, wenn es beispielsweise um die Darstellung bestimmter Qualifikationen, Soft Skills oder Erfahrungen geht, veranlasst fast jeden Unternehmer dazu, im persönlichen Gespräch mit den Bewerbern ganz genau hinzuschauen. So genügt es erfahrungsgemäß schon, nur kurz mal „an der Oberfläche zu kratzen“, um sodann zum Vorschein zu bringen, dass nichts weiter als „heiße Luft“ hinter der Fassade steckt. Kleine Schummeleien oder gar handfeste Lügen bzw. „Beschönigungen“ lassen sich nach Ansicht renommierter Personaler sehr leicht bereits durch Kleinigkeiten entlarven.

Gestik und Mimik beim Lügen

Es ist noch nicht allzu lange her, da glaubte man noch, dass ein Mensch die Augen leicht nach links dreht, sobald er lügt. Neueste Erkenntnisse besagen jedoch, dass diese Behauptung schlichtweg nicht wahr sind bzw. nicht so ganz einfach zu deuten sind. Allerdings ist jetzt bekannt, dass die Nase eine Menge darüber aussagt, ob jemand die Unwahrheit sagt. Erzählt ein Bewerber im Vorstellungsgespräch „Märchen“ und versucht, sich selbst als erstklassig, erfahren und für erfolgsorientierte Unternehmer unverzichtbar darzustellen, müssen Unternehmer lediglich einen Blick auf dessen Nase werfen. Diesbezüglich bekommt die bekannte Geschichte vom „guten, alten“ Pinocchio eine völlig neue Bedeutung. Während sich nämlich bei dieser Holzfigur die Nase stets verlängerte, wenn eine Lüge über die Lippen kam, wird die menschliche Nase instinktiv breiter. Beim Lügen fließt etwas mehr Blut in die Nase als üblich und die Nasenflügel breiten sich nahezu unmerklich jeweils nach links und rechts aus. Oftmals fühlt sich der „Märchenerzähler“ in einer solchen Situation außerdem dazu veranlasst, sich kurz über das Riechorgan zu streichen, was dem Personaler, der die Körpersprache, Gestik und Mimik des Gegenübers genau betrachtet, selbstverständlich nicht entgeht.

Bitte lächeln!

Auch Lächeln ist eine sehr interessante Form der Körpersprache. Nur sollte man im Job bzw. in einem Bewerbungsgespräch nicht zu viel und zu häufig lächeln. Dieses könnte letztlich negativ ausgelegt werden. Wirken Gestik und Mimik freundlich und offen und lächelt der interessierte Bewerber seinen Gesprächspartner hin und wieder an (natürlich nur, wenn es der jeweiligen Situation angemessen ist), so kann dies durchaus vielversprechend sein. Überhaupt sind diesbezüglich die positiven Aspekte des Lächelns erwähnenswert. Wer nämlich gerne lächelt, lebt bekanntlich gesünder und hat im Allgemeinen bessere Laune. Ideale Voraussetzungen für mehr Freude im Beruf. Auf der anderen Seite jedoch ist allzu häufiges Lachen ein Indiz für Unsicherheit, Verlegenheit und – das belegen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse – für einen nicht allzu hohen IQ. Was aber umgekehrt nicht heißen soll, dass Menschen, die buchstäblich zum Lachen in den Keller gehen, automatisch intelligenter wären…
Wie wirkt man auf andere? Die moderne Körpersprache

Will man von Anfang an im Gespräch mit anderen punkten, sei es im Bewerbungsgespräch oder im Dialog mit Vorgesetzten oder Kollegen, ist es unerlässlich, auf eine unverkrampfte, offene Körpersprache und auf eine freundliche Gestik und Mimik zu achten. Die Füße stehen fest auf dem Boden, die Hände dürfen gerne herunter hängen. Ein nettes Lächeln und ein freundlicher Blick – ohne den Gegenüber anzustarren – schaden zudem nicht.

Tipp: Es bietet sich an, die eigene Körpersprache bzw. Gestik und Mimik regelmäßig vor dem Spiegel im heimischen Schlafzimmer zu betrachten und, wenn möglich, von einer Person des Vertrauens begutachten zu lassen. Oder Sie machen gleich Nägel mit Köpfen und lassen Ihre Mimik und Gestik und noch einiges mehr auf einem Rhetorik Training gründlich „überholen“.

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