Die 7 Todsünden eines Redners

Von Marcus Antonius über John F. Kennedy bis hin zu Barack Obama, die Geschichte ist voll von Menschen, die die Redekunst zu ihrem Vorteil einsetzen konnten und in der Lage waren, die Massen mit ihren Ansprachen zu begeistern. Und doch gibt es gerade für ungeübte Redner eine hohe Hemmschwelle, wenn sie vor Gruppen sprechen müssen. Dabei gibt es einige typische Fehler, die es zu vermeiden gilt: Die großen sieben Sünden der freien Rede.

1. Beginnen Sie mit einer Entschuldigung

Wenn Sie sich schon zu Beginn ihrer Ansprache klein machen, werden Sie im Verlauf der Rede Probleme haben, ihr Publikum zurückzugewinnen. Vielmehr sollten Sie als Redner mit einer Captatio Benevolentiae, wie man in der antiken Rhetorik sagte, beginnen. Dieser Griff nach dem Wohlwollen des Publikums kann eine relevante Anekdote sein, ein Scherz oder auch einfach nur ein sicherer Auftritt. Für einen zweiten Eindruck werden Sie keine Chance bekommen.
Ein ergreifender Anfang dagegen zieht das Publikum in ihre freie Rede und sorgt für einen harmonischen Start zwischen Redner und Zuhörern. Gerade die ersten Momente der Rede vermitteln dem Publikum einen klaren Eindruck, nutzen Sie also den Einstieg für sich.

2. Sie sprechen in langen, geschraubten Sätzen

Natürlich können Sie in der Schriftsprache auch lange Sätze mit Nebensätzen verschiedener Grade verwenden. Die freie Rede gibt dem Publikum aber nicht die Möglichkeit, unklare Passagen noch einmal zu wiederholen.
Einfache, klare Sätze bringen den Zuhörern nicht nur die Themen verständlicher und schneller näher, sondern sorgen auch für eine konstant hohe Aufmerksamkeit. Insbesondere die wichtigen Punkte ihrer Ansprache sollten Sie in kurzen und prägnanten Sätzen formulieren können. Bedenken Sie, dass man nur rund zehn Prozent des Gehörten behält. Klare Sätze heben die wichtigsten Punkte hervor.

3. Sie über- und untertreiben

Übertreibungen sind seit der Antike ein beliebtes Mittel der Rhetorik, gehören jedoch eher in einen dunklen Bereich der Redekunst. Sicherlich können Sie den Feind dämonisieren, wenn Sie sich als Redner in der unglücklichen Situation finden, einige versprengte Truppen gegen eine überlegene Armee ins Feld zu führen. Sollten Sie jedoch einen beruflichen und seriösen Eindruck machen wollen, bleiben Sie bei den Fakten.
Insbesondere im Zeitalter der Smartphones ist es ein Leichtes für ihr Publikum, die Eckpunkte nachzuprüfen. Kernelement für die freie Rede sollte eine wohl formulierte Wahrheit sein, keine einschmeichelnde Lügengeschichte. Wahrheit und Maß, die Ideale der Klassik, sind Schönheit.

4. Sie benutzen möglichst unbekannte Fremdwörter

Galt es unter deutschen Akademikern lange als schick, in möglichst unverständlichen, langen und dialektischen Diskussionen die Leser zu verwirren, ist es im englischsprachigen Raum schon länger üblich, verständlich zu schreiben und zu sprechen.
Insbesondere für eine freie Rede, die neue Ideen vermitteln soll, ist es tödlich, das Publikum mit Fremdwörtern zu verwirren. Wenn Sie wirklich etwas Wichtiges zu sagen haben, dann sagen Sie es so, dass jeder im Publikum es verstehen kann. Komplexe Ideen einfach zu vermitteln zeichnet einen guten Redner aus.

5. Sie überziehen und halten Sie sich nicht an vorgegebene Zeiten

Das Leben ist voll von Deadlines und Terminen. Und sicherlich ist es eine Kunst, die freie Rede richtig zu timen. Bedenken Sie jedoch, dass auch Ihr Publikum Termine hat und bei größeren Veranstaltungen auch noch andere Reden hören möchte.
Wie jeder Künstler muss der Redner sich auch an Termine und Absprachen halten. Mit einer Generalprobe vor der Stoppuhr oder einer kleinen Uhr am Pult können Sie sich aber ein gutes Timing erarbeiten.

6. Sie zeigen Ihre Unsicherheit.

Das Publikum wird Sie nicht “auffressen”, im Gegenteil: Wenn Sie es richtig machen, dann wird die freie Rede nicht nur den Zuhörern viel Spaß bereiten, sondern auch Ihnen. Genießen Sie die Zeit auf der Bühne und die Leute, die Ihnen an den Lippen kleben werden.
Vor einem Spiegel können Sie auch kleinere Unsicherheiten abstellen. Nichts ist schlimmer als ein Redner, der die ganze freie Rede über in seinen Notizen liest. Reden Sie klar und deutlich: Die freie Rede vermittelt sich wie die Bühnensprache nicht über Lautstärke und Vokale, sondern über die Konsonanten und eine saubere Diktion – eine klare Sprache ist das Zeichen eines klaren Gedanken. Behalten Sie den Augenkontakt, achten Sie auf eine offene Körperhaltung und lächeln Sie. Das steckt an.

7. Sie machen keine Redepause.

Wenn Sie als Redner keine Pausen machen, verlieren Sie leicht die Konzentration des Publikums. Unruhe unter den Zuhörern ist oft ein Zeichen dafür, dass man Ihnen nicht folgen kann. Sicherlich gehen Sie ihren Vortrag nicht zum ersten Mal durch, aber für das Publikum sind die Ideen neu.
Lassen Sie sich also Zeit und machen Sie Pausen, wichtige Gedanken sollten stimmlich hervor gehoben werden (nicht jedoch über die Lautstärke) und den Zuhörern die Gelegenheit geben, diese aufzunehmen. Durch Augenkontakt können Sie als guter Redner immer wieder prüfen, ob ihr Publikum Ihnen folgen kann.
Vor allem, wenn Sie Grafiken oder Bulletpoints für die freie Rede benutzen, sind Pausen essentiell.

Wenn Sie diese Punkte befolgen, ihre Rede ausreichend üben, den Kontakt zum Publikum behalten und selbst Spaß an ihrer Rede haben, dann steht einer erfolgreichen Ansprache nichts mehr im Weg – ob zur Weihnachtsfeier, auf einem Kongress oder am Tag des St. Crispinus.

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