Die 10 schlimmsten Vortragsfehler

Die 10 häufigsten Fehler bei Vorträgen

Wie immer im Leben gilt: Fehler, die andere schon gemacht haben, muss man nicht wiederholen. Aber das ist nicht der einzige Grund, sich eher auf die Vermeidung schlechter Redegewohnheiten zu konzentrieren als etwa die zehn effektivsten rhetorischen Tricks aller Zeiten auswendig zu lernen. Eine der essenziellsten Erfolgsgeheimnisse erfolgreicher Redner ist ihre Unverwechselbarkeit – die individuelle Art und Weise, wie ihre Persönlichkeit sich in ihren Vorträgen manifestiert, ganz unabhängig von deren Inhalt. Wer sich zu sehr auf die Imitation erfolgreicher Redner konzentriert, verliert dabei schnell jenes magische, einzigartige Element, das auf emotionaler Ebene mehr fesselt als jedes noch so raffinierte Rhetoriktool: Authentizität. Ein alternativer Ansatz ist also, sich destruktive Gewohnheiten abzutrainieren und den entstehenden Freiraum zu nutzen, um die eigene Persönlichkeit hinter eingeübter Rhetorik hervortreten zu lassen. Deshalb hier nun zehn Vortragsangewohnheiten, die so häufig wie hässlich sind.

1.Unsichtbarkeit.

Es lässt sich weder durch noch so aufwendige Präsentationstechnologie, faszinierende Visuals, das perfekte Outfit, und schon gar nicht durch gedimmtes Licht vermeiden: Der Redner steht im Mittelpunkt, auf ihm liegt der Fokus des Publikums – daran kann kein Täuschungsmanöver etwas ändern. Wer sich der Illusion hingibt, dem wäre nicht so, büßt automatisch an Spannung in Körpersprache und Mimik ein und verliert seine Publikum trotz raffinierter Kulisse. Meist entsteht der Wunsch, unsichtbar zu sein, aus der Überzeugung, dass Zuhörer einen unfehlbar brillianten Redner erwarten und dem Glauben, man selber könne diesem Bild nicht entsprechen. Dem ist fast nie so, im Gegenteil: Wichtig ist nicht Perfektion, sondern eine wirklich spürbare Präsenz, der fühlbare Wunsch, etwas mitzuteilen zu haben und dafür auf der Bühne “gerade zu stehen”.

Tipp: Wer sich von der Message des eigenen Vortrages mitreissen lässt, hat keine Zeit für verunsichernde Selbstreflektion.

2.Unausgewogenheit.

Gute Präsentationen werden oft als “ausgewogen” beschrieben. Auf Nachfrage fällt es den meisten Zuhörern schwer, diese als angenehm empfundene Balance genau zu definieren – dennoch wird sie deutlich empfunden. Tatsächlich ist jede gute Rede aus drei grundsätzlichen Modulen komponiert: Inhalt, Ausdruck und visuelle Präsentation. Langatmige, konfuse oder inhaltsleere Reden scheitern oft an ihrer Fokussierung auf nur eines dieser Module unter Vernachlässigung der anderen beiden. Reden, deren Inhalt ausgezeichnet recherchiert und intelligent analysiert sind, bleiben nicht haften, wenn ihre Präsentation schwach ist. Ein überorchestrierter Ausdruck, dessen rhetorisches Feuerwerk in keinem Verhältnis zum Faktenmaterial und der Aussage steht, wird lediglich als artifiziell und überproportioniert erinnert. Und eine Rede, bei der sich der Redner und seine Argumente hinter einer Flut aus Bildern und Grafiken verstecken, ist nicht viel anderes als ein auf der Bühne abgespieltes You Tube Video.

Tipp: Der perfekte Vortrag steht auf allen drei Beinen, die schon in der Brainstorming- und Konzeptionsphase berücksichtigt werden sollten. Bei besonders wichtigen Präsentationen lohnt sich eine Videoaufzeichnung der Generalprobe, die anschließend auf die Harmonie aller drei Elemenete kritisch beleuchtet wird.

3.Themenangst.

Eine der absurdesten, aber dennoch häufigen Angewohnheiten ist die Angst vor dem eigenen Thema. Häufig kommt dies bei sehr faktenbasierten Vorträgen vor. Die Folge: Der Redner bemüht sich gar nicht erst, seine Zuhörer auf emotionaler Ebene zu erreichen, sondern rast so schnell wie möglich durch eine endlose Aufzählung von Daten und Informationspaketen. Dabei steht hinter jedem Fakt, jeder Zahl, jeder Information stets ein Mensch, der sie verursacht hat. Es ist die Aufgabe des Redners, diese Menschen in seiner Präsentation zum Leben zu erwecken. Wer sich diese Mühe nicht machen will, kann den Vortrag auch gleich ungehalten lassen und das Handout verschicken.

Tipp: Absolut jede Präsentation, und sei sie noch so sachlich, lässt sich mit Storytelling-Elementen auf eine gefühlte Ebene heben.

4.Leidenschaftslosigkeit.

Die Angst vor der Leidenschaft kommt direkt nach der Angst vor dem eigenen Thema. Es ist paradox: Ein Sprecher wird genau deshalb eingeladen, über ein Thema zu sprechen, weil es ihm offensichtlich am Herzen liegt. Er erlegt sich aber selbst den Zwang auf, den aus seiner Passion entspringenden Enthusiasmus zugunsten einer artifiziellen Sachlichkeit und Überintellektualisierung zu verflachen oder überhaupt nicht zu zeigen. Das ist immer ein Fehler: Der Mensch ist ein Erfahrungstier – er ist dann viel eher bereit zu einer Handlung oder einem Verhalten, wenn er deren positive Wirkung bei einem Anderen beobachtet hat. Überzeugung läuft zu zehn Prozent über den Kopf und zu 90 Prozent über den Bauch. Wer nicht mit Bauchgefühl und offensichtlich mitgerissen vom eigenen Thema referiert, erreicht sein Publikum nicht, mag die Kraft des Faktischen auch noch so groß sein.

Tipp: Direkt vor der Präsentation das Musikstück zu hören, das einen am meisten bewegt und dann die Mitgerissenheit mit auf die Bühne nehmen.

5. Ablesen.

Es immer eine schlechte Idee, eine Rede vollständig aufzuschreiben, weil dann die Versuchung, sie abzulesen, einfach zu groß wird. Was wiederum ein absoluter Aufmerksamkeitskiller ist. Der Akt der Ausformulierung vor Ort macht den Vortrag lebendig, und die Freiheit, den Blick in das Publikum zu richten, ist unersetzlich für interaktive Momente.

Tipp: Besser ist es, sich die hauptsächlichen Argumente und die jeweils die wichtigsten erläuternden Stichworte kurz ihrer logischen Reihenfolge nach auf Karteikarten zu notieren.

6. Schauspielern.

Natürlich belebt Humor einen Vortrag. Nichts verursacht allerdings mehr Fremdschämen und entzieht einem intelligenten, spannenden Vortrag Essenz als ein Redner, der verzweifelt versucht, komisch zu sein, obwohl es offensichtlich nicht zu seinem Repertoire an natürlichen Talenten gehört. Generell ist es verblüffend, mit welche feinen Antennen ein Publikum kollektiv auf geschauspielerte, unehrliche, unauthentische, anbiedernde Vortragsperformances reagiert. Dahin gegen funktioniert eine Rede immer, wenn der Redner er selber bleibt – auch wenn es keinen einzigen Lacher geben sollte.

Tipp: Erfinden Sie keinen Redner, seien Sie der Redner. Lassen Sie Ihre engen Freunde die fünf Eigenschaften aufschreiben, die sie am meisten an Ihnen schätzen und die Ihren Kern ausmachen. Diese Eigenschaften gehören auf die Bühne. Sonst nichts.

7. Übervisualisieren.

Die meisten Redner haben irgendwann mal gehört, dass visuelles Präsentationsmaterial wie Slideshows Vorträge anschaulicher gestaltet. Leider hat ihnen niemand gesagt, dass dies nur für Inhalt gilt, der auch gerne angeschaut wird. Die Konsequenz sind ellenlange Listen, Aufzählungen, und Fließtexte ohne Bilder oder beeindruckende Grafiken, die schlimmstenfalls noch im Halbdunkel abgelesen werden und bestenfalls als angenehme Schlummerstunde im Gedächtnis bleiben.

Tipp: Zusätzliches Textmaterial sollte als Handout vorbereitet und im Anschluss an den Vortrag verteilt werden. Visuelles Material soll den Vortrag ergänzen und die Sinne wach halten, nicht ihn ersetzen. Hierfür dienen solche Bilder und interaktive Grafiken am besten, die innerhalb von drei Sekunden internalisiert sind.

8. Entschuldigen.

Vor allem deutsche Sprecher haben die seltsame Angewohnheit, sich zu Beginn ihrer Rede für deren Inhalt zu entschuldigen. Es ist in Denkfehler, zu glauben, das Publikum würde in Folge eventuelle rhetorische Schwächen verzeihen. Im Gegenteil – es wird für sie sensibilisiert und wartet nachgrade auf ihr Auftauchen – so ist der Mensch gemacht. Das reduziert die Konzentration aufs Wesentliche enorm.

Tipp: Jeder Redner hat genau zu Beginn etwa sechs Sekunden lang die volle, ungeteilte, wohlwollende Aufmerksamkeit der Zuhörer – und sollte diese nutzen, um mit einer positiven, neugierig machenden Aussage seinem Publikum das Gefühl zu geben, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.

9. Perfektionismus

Diese drückt sich überdurchschnittlich oft in dem verzweifelten Versuch aus, jede Form von Räuspern oder Zwischenlauten wie “ähm” zwanghaft zu unterdrücken. Das Ergebnis ist ein maschinengleicher, überkontrollierter Sprecher, der seine Natürlichkeit für ein Ideal einbüßt, das keines ist. Ein “ähm” ist offstage kein Problem, warum sollte es das onstage sein? Natürlichkeit ist das weit wertvollere Tool als perfekte Delivery ohne einen Zwischenlaut.

Tipp: Wer sich bewusst ein paar Vorträge der eigenen Lieblingssprecher anhört, wird entdecken, wieviele “ähms” ungehört verebben, weil das Ohr sie einfach als Bestandteil der Natürlichkeit des Vortragenden wahrnimmt.

10. Improvisation

Es ist eine rare Gabe; und eine, die es sich lohnt, zu üben. Aber es geht fast niemals an, sich bei einem wichtigen Vortrag auf die eigenen Improvisationskünste zu verlassen. Tipp: Vorbereiten, vorbereiten, vorbereiten.

Schon gelesen?

Präsentieren mit Powerpoint
Kenne Dein Publikum – es wird Dich dafür lieben
7 Tipps für öffentliches Sprechen