Der Dr. Fox Effekt

Kennen Sie Dr. Fox?

Nein? Können Sie auch nicht. Den gab es im Grunde gar nicht. Und doch gibt es einen nach ihm benannten Dr.Fox Effekt. Den wiederum sollten Sie unbedingt kennen. Neugierig?

Das Ganze geht auf ein Experiment aus dem Jahr 1970 zurück. Beauftragt wurde ein Schauspieler (Michael Fox) damit, einen Vortrag über einen Aspekt der Spieltheorie zu halten. Er hatte von diesem Thema nicht die geringste Ahnung wurde in nur zwei Sitzungen mit dem Material bekannt gemacht und bekam die Vorgabe, den Vortrag möglichst lebendig und überzeugend zu halten, dabei aber gleichzeitig möglichst inhaltsleer zu bleiben.

Das Publikum wusste davon natürlich nichts…..

Dem Publikum wurde der Redner als Dr. Myron L.Fox angekündigt, er wurde als Experte auf dem Gebiet der Anwendung von Mathematik auf menschliches Verhalten vorgestellt. Das Vortragsthema lautete: „Die Anwendung der mathematischen Spieltheorie in der Ausbildung von Ärzten“. Der Inhalt war völliger Unsinn. Da das Publikum durchaus aus erfahrenen Zuhörern bestand (Psychologen, Psychiater, Sozialarbeiter und Ausbilder etc.) ging selbst Michael Fox davon aus, dass der Schwindel früher oder später auffliegen musste. Was passierte in Wirklichkeit?

Michael Fox begann seinen Vortrag und er war brillant, in der Art und Weise wie er ihn hielt, charmant, witzig, gewandt und unterhaltsam. Leider bestand der Inhalt aus unklarem Gerede, erfundenen Wörtern, widersprüchlichen Feststellungen und weiteres inhaltsloses Geschwafel, allerdings so professionell vorgetragen, dass die Zuhörer einfach hin und weg waren, komplett begeistert und verzückt. Dadurch entstand allerdings ein weiteres Problem: Die Zuhörer waren derart begeistert, dass sie nach dem einstündigen Vortrag von dem Thema (sinnloser Inhalt) noch nicht genug hatten und „DR. Fox“ mit Fragen zu bombardieren, die Michael Fox wiederum dermaßen virtuos und sinnleer beantwortete, dass auch hier niemandem etwas auffiel.

Unfassbar könnte man denken, allerdings war das Ergebnis nicht wirklich überraschend, sondern lediglich eine Bestätigung dessen, was aus der Kommunikationswissenschaft schon länger bekannt war, nämlich, dass der Vortragsstil, die nonverbale Kommunikation um ein vielfaches mehr zählt als der Inhalt, beim beschriebenen Experiment konnte der Vortragsstil sogar komplett über den sinnlosen Inhalt hinwegtäuschen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Beurteilung der Zuhörer: Alle Zuhörer gaben an, der Vortrag habe sie zum Nachdenken angeregt, 90% fanden sogar, Dr. Fox habe das Material gut geordnet, interessant vermittelt und viele hilfreiche Beispiel eingebaut.

Was schließen wir nun daraus?

Scheinbar könnte man offensichtlich daraus schließen, dass der Inhalt unwichtig ist. Das wäre aus meiner Sicht allerdings eine komplett falsche Schlussfolgerung, denn ohne Inhalt ist natürlich auch keine Überzeugung möglich und in den seltensten Fällen wird es in Ihrer Realität ausreichen, wenn Ihre Zuhörer Sie für einen brillanten Redner halten, aber nichts von dem verstanden haben, was Sie Ihnen mitteilen wollten.

Nein, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Natürlich ist der Inhalt wichtig, aber deutlich wichtiger ist die Verpackung. Wie wird der Inhalt transportiert? – das ist die alles entscheidende Frage. Machen Sie es Ihren Zuhören leicht oder schwer, Ihren Inhalt zu verstehen und zu akzeptieren?

Nach meiner Beobachtung und Erfahrung haben die wenigsten Business-Redner oder Fachredner (Fachvorträge, Wissenschaftsvorträge etc.) hier in Deutschland (damit meine ich nicht Politiker) ein Problem mit dem Inhalt, sehr wohl aber mit der Verpackung.
Der Dr. Fox Effekt zeigt uns aber, dass wir darauf deutlich mehr Wert legen sollten, die Zuhörer wollen nicht nur informiert werden, sondern auch überzeugt, motoviert, unterhalten werden und das ganze auf eine sympathische Weise.

Ich gebe Ihnen einfach 2 Empfehlungen, ausgedrückt in 2 “Binsenweisheiten”, wenn Sie beide konsequent umsetzen haben Sie wahrscheinlich alleine dadurch schon 30-40% mehr Wirkung bei Ihrem nächsten Auftritt.

1.) Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
Die weitaus meisten Redner machen den Fehler, das Thema aus Ihrer Sicht zu entwickeln und darzustellen. Das ist aber grundfalsch, denn Ihr Ziel ist es ja, Ihr Publikum zu überzeugen. Also müssen Sie sich auch die Frage stellen, was “schmeckt” denn meinem Publikum? Was müsste ich tun, um meine Zuhörer zu begeistern? Welche Bedürfnisse und Emotionen muss ich ansprechen ?

2.) Martin Luther sagte einmal etwas sehr treffendes zum Thema Rhetorik, kurz und etwas barsch in seiner gewohnten Art:
“Tritt frisch auf, machs Maul auf, hör bald auf”

Kurz aber unglaublich treffend. Denken Sie mal darüber nach, was in diesen kurzen “Anweisungen” alles drinsteckt.

Viel Erfolg beim Umsetzen!